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Interview · 2005 · DE

Eleven questions

  1. Sie haben 1986 die deutsche Version von Skin Two herausgegeben. Wie kam 
es dazu, bzw., wie wurde das britische Fetischmagazin auf Sie aufmerksam?
- Ich wurde auf Skin Two aufmerksam gemacht von Krystina Kitsis, die ich 
anläßlich der London Fashion Week 1986 kennenlernte. Ich hatte zu dem 
Zeitpunkt noch keine Ahnung von der Fetischszene neuen Stils, wie sie Skin 
Two propagierte. Ich war geschäftlich in London war und hatte etwas freie 
Zeit. Mein Geschäftspartner (aus der Fitnessgeräte-Branche!) hatte mir den 
Tipp gegeben, mir die Fashion Week anzuschauen. Ich schlenderte relativ 
ziellos über die Messe bis ich plötzlich wie vom Donner gerührt stehen 
blieb. Ein visueller Eindruck ließ mein Herz rasen: Da stand ein supersexy 
Model mit hochgereckten Armen, den ganzen Körper in einem hautengen 
Latexkleid, und wurde von Miss Kitsis mit Politur auf Hochglanz gerubbelt. 
Das war für mich ein absolutes Schlüsselerlebnis.
Um es kurz zu machen: Ich übernahm den Vertrieb von ECTOMORPH (dem Label von 
Kitsis) in Deutschland und ging mit ihr auf die damals angesagten Offline- 
und Avantgarde-Modemessen von München bis Berlin, wo sogar Nina Hagen sich 
bei uns einkleidete!
In der Folge stellte Krystina mich Tim Woodward vor (dem Eigner von SK2), 
und ich hatte die Idee, eine deutsche Ausgabe von SK2 zu produzieren. Es 
erschein mir damals probat, den Namen zu benutzen, was sich jedoch schon 
bald als Irrtum herausstellte: In Deutschland verstand damals kaum jemand 
die Anspielung ("zweite Haut"). Hinzu kam, dass ich von Anfang an sehr 
intensiv eigene Ideen und Fantasien einfließen ließ, so daß schon meine 
Erstausgabe außer dem Namen mit Skin Two wenig gemein hatte. Es war aber 
sehr erfolgreich, und verkaufte sich auf Anhieb 2.500mal - einzige Werbung 
war eine 32-tel Anzeige im STERN gewesen! Freunde legten mir nahe, auch auf 
Englisch zu publizieren, da ein Großteil der ausländischen Szene das neue 
Heft dann auch lesen würde. Alles dies führte nach 7 Ausgaben dazu, dass wir 
den Lizenzvertrag beendeten. Ich fand den neuen Namen <O>, und startete mit 
12.000 Exemplaren durch, je zur Hälfte in Deutsch und in Englisch, und 
durchgehend vierfarbig (SK2 war damals noch durchgehend schwarzweiß). Der 
Rest, und wie daraus dann später MARQUIS wurde, ist (Fetisch-)Geschichte...

2. Wann haben Sie Ihre Liebe zur Fotografie entdeckt und stand diese
in Verbindung mit Latex?
- Ich bin von Haus aus Werbegrafiker, und Fotografie gehörte zum Studium der 
"Visuellen Kommunikation", wie es damals hieß. Zunächst wollte ich aber 
Illustrator werden, wurde dann Layouter, und die Fotografie war nur ein 
Hobby. Es ging um Landschaft, nicht um Latex. Ich machte auch meine ersten 
Schritte als Fetisch-Verleger mi Hilfe anderer Fotografen; besonders zu 
nennwen wäre da Wolfgang Eichler. Erst viel später konnte ich meine 
Neigungen und Fantasien auch mit der Kamera Ausdruck verleihen. Ich lernte 
schnell, da ich mit meiner damaligen Freundin Annette ein tolles und 
übereifriges Model 24 Stunden täglich zur Verfügung hatte. Wir machten 
ständig Fotos, "learning by doing" im Eiltempo sozusagen...
Später wiederholte sich das Ganze mit Bianca, meiner heutigen Ehefrau, die 
das Erste Model von MARQUIS war (Covergirl der Nr.1). Inzwischen habe ich 
Hunderte toller Models fotografieren dürfen, insgesamt über 100.000 Fotos im 
Archiv - da weiß man dann irgendwann, wie es geht.

3. Wie reagierte Ihr persönliches Umfeld auf Ihren Beruf?
- Witzigerweise mit einer grandiosen Fehleinschätzung. Ich hatte damals eine 
klein Werbeagentur, die mäßig gut lief, und suchte nach zusätzlichen 
Betätigungs- und Einnahmequellen. Ein Kumpel aus der Fitnessbranche (deshalb 
London!) brachte mich auf die Idee, einen Bodybuilding-Kalender zu 
produzieren, und allen Studuios in Deutschland zum Wiederverkauf anzubieten. 
Wir verpflichteten für die Fotos die damalige Vize-Miss Bodybuilding 
Deutschlands, und alle meine Freunde waren von Erfolg überzeugt - das wird 
ein Knaller!
Paralle dazu entstand das erste Heft "Deutsches Skin Two", auf das alle mit 
großer Skepsis reagierten. Selbst Branchenprofis wie der Inhaber eines 
großen Sexshops in Gelsenkirchen, spezialisiert auf Gummi, Lack und Leder, 
meinte noch 1986: "Es gibt in Deutschland höchstens 1500-2000 Leute, die 
sich für so etwas interessieren" - weit gefehlt!
Kurz: Das Heft wurde der Renner, während die bleischweren Paletten von 
Kalendern noch mehrere Male mit mir umzogen, bis sie nach und nach entsorgt 
wurden...
Ansonsten hatte ich kurz vorher durch einen zweijährigen New York-Aufenthalt 
viele private Kontakte verloren, auch die Freundin, so daß es zu einem 
grundlegenden Neuanfang für mich kam. In der Fetischszene fand ich schnell 
sehr gute, tiefe Freundschaften, die bis heute halten, und viel 
interessanter sind als alles, was ich vorher kannte.

4. Wie haben Sie Ihre ersten Modelle gefunden?
- Siehe oben: Die eigene Freundin ist das beste Modell! Bis Mitte der 
Neinziger war es extrem schwieuirg, gute Fetischmodelle zu finden. Profis 
wurden von ihren Agenturen geblockt, die Angst hatten, seriöse Kunden 
könnten verschreckt werden, und viele Frauen hatten einfach noch Angst vor 
"Fetisch".
Das änderte sich erst mit dem Internet. Heute haben die Models alle eigene 
Webseiten, brauchen "Sende-Material" und Promotion, und sind gern bereit, 
sich für gute Fotos zur Verfügung zu stellen. Der große Medienhype über 
Fetischthemen in der ersten Häfte der Neunziger hatte den meisten bis dahin 
auch die SCheu vor Fetisch und SM genommen. Es war ja jetzt regelrecht hip, 
Domina zu sein...

5. Sie sind ja vielseitig im Fetisch-Geschäft tätig. Fotografie, 
Videoproduktionen, Marquis-Magazin,
eigenes Fashion-Label und so weiter. Bleibt da noch genügend Freizeit, oder 
gleicht sich der eventuelle Zeitmangel durch die Liebe zur Arbeit aus?
- Freizeit kenne ich kaum. Ich arbeite non-stop für Marquis, das ist alles, 
was mir Spaß macht, das ist mein Leben. Selbst im Urlaub (den ich gern 
mache!) verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen, machen Fotos oder 
besuchen Fetisch.Events wie z.B. "Kink In The Caribbean".
Dennoch kann ich gut abschalten, bin also nicht vom Fetisch besessen, 
sondern privat ein ganz normaler Mensch, rede mit den Nachbarn über Fußball, 
schaue Formel 1, oder gehe Pilze sammeln. Mit fortschreitendem Alter (ich 
bin jetzt 52) denke ich aber schon daran, einen Gang zurückzuschalten, und 
auch noch mal etwas anderes zu machen, z.B. einen Weinhandel.

6. Was bereitet Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?
- Der kreative Prozeß, das Zusammenwirken guter kreativer Leute. Wir 
stacheln uns gegenseitig an, Models, Designer, Illustratoren, Autoren und 
Fotografen. Jeder schaut, was der andere macht, mißt sich daran, spinnt 
Fantasien weiter... Manchmal wird es schon arg bizarr! Wir sind in der 
schönen Lage, Produkte von bleibendem Wert zu erzeuigen, Fotos, die sich 
Leute noch nach Jahrzehnten anschauen, Hefte und Bücher, die gesammelt und 
wie Schätze gehütet werden. Das ist ein gutes Gefühl, und der Kick, wenn ein 
neues Hef druckfrisch angeliefert wird und man es zum ersten Mal aufschlägt, 
ist noch immer der gleiche!

7. Mit wem arbeiten Sie gerne zusammen?
- Mit Leuten, die meinen, was sie sagen, und nicht nur aufschneiden. Die 
etwas zu bieten haben, und nicht nur etwas von uns wollen. Wer gute Ideen 
hat, sollte sie umsetzen, und nicht anderen davon erzählen. Mit Künstlern, 
und faszinierenden Frauen, ideenreichen Designern, tollen Visagistinnen, 
kreativen Webdesignern, stilsicheren Layoutern. Mit zuverlässigen 
Mitarbeitern, die auch einmal für mich mitdenken, wenn es hektisch wird.

8. Was raten Sie jungen Fotografen und Kreativlingen, die ihre eigenen, 
persönlichen Neigungen jeglicher Art, in ihre Arbeit einfließen lassen 
möchten und nicht streng mit Aufträgen ihren Lebensunterhalt bestreiten 
möchten?
- Starten Sie Ihre Karriere bei MARQUIS! Ganz im Ernst: Wir haben schon 
viele Leute beflügelt, aus ihren Neigungen einen Vollerwerb zu machen, und 
promoten ständig neue Talente. Eine eigene Webseite ist heute Pflicht, damit 
fängt es an. Dann sollte man sich möglichst häufig auf wichtigen Events 
zeigen, wie z.B. der "Fetish Evolution" - dort findet zu Ostern 2006 wieder 
die ART BIZARRE statt, wo sich alles trifft und kennenlernt. Hier macht man 
die wichtigen Kontakte.

9. Mit welcher Kamera fotografieren Sie am liebsten? Ziehen Sie persönlich 
die digitale Technik der analogen vor?
- Ich arbeite derzeit mit einer FUJI S3pro. Analog war gestern, für mich 
bereits seit 5 Jahren. Einziger Nachteil der Digitalen: Man hat nicht mehr 
die "Kamera fürs Leben", sondern muß sie alle paar Jahre wechseln, wie auch 
den Rechner, Programme updaten usw., um auf der Höhe der Entwickluing zu 
bleiben.

10. Was sind Ihre Wünsche und Hoffnungen für das Jahr 2006?
- Gesund und fit bleiben. Die russische Ausgabe von MARQUIS zum Erfolg 
machen. Eine tolle Party zu Ostern, mit vielen Fetisch-Stars aus aller Welt. 
Dass wir auch 2006 wieder 2-3 Leute einstellen können.
Allgemein: Mehr Mut und Optimismus in Deutschland; wir haben es absolut 
nicht nötig, unser Licht so unter den Scheffel zu stellen, denn wir sind 
immer noch verdammt gut und besser als die meisten anderen.

11. Zum Schluss noch eine klassische Frage.
Wenn Sie auf eine einsame Insel kämen und Sie dürften drei Dinge mitnehmen,
welche wären das?
Rational: Jede Menge Wasser und Lebensmittelvorräte, einen Werkzeugkoffer, 
Angelgerät.
Irrational: Ein Supermodel, ein Koffer voller geiler Fetischklamotten, eine 
Kiste Champagner.