PWC-CLUB
← Press & Interviews

Abendzeitung · 2008 · DE

Abendzeitung

Interview Abendzeitung, Herr Keck 26.09.2008

Herr Czernich, Sie haben in den 90ern über 2000 erotische Fotos von dem heute allseits begehrten Glam-Girl Dita von Teese gemacht. Wie haben Sie geschafft, wovon andere träumen? -- Ich hatte die Gelegenheit, mit Dita zu arbeiten, lange bevor sie weltberühmt wurde. In der Fetischszene war sie schnell eine Ikone, aber der ganz große Durchbruch kam nicht zuletzt durch ihre Liaison mit Manson. Ich hatte früh ihr außergewöhnliches Talent und ihre Ausstrahlung bemerkt, und

Wie haben Sie von Teese kennengelernt? Wie kam es zu der Zusammenarbeit? -- Wir trafen uns auf einer Erotikmesse in Los Angeles. Unsere Zeitschrift MARQUIS war damals bereits das Kultmagazin der Szene, und Dita kam auf unseren Stand. So verabredeten wir ein erstes Shooting, aus dem dann über die Jahre viele wurden. Das Interesse, für MARQUIS fotografiert zu werden, lag also auch ganz auf ihrer Seite.

Heute kaum vorstellbar: Dita von Teese steigt am Hauptbahnhof Solingen aus einem Regional-Express. Wie hat Ihr Deutschland überhaupt gefallen? -- Dita ist auch später immer wieder nach Deutschland gekommen, und hat auch mit Manson viel Zeit in Berlin verbracht. Ich glaube, sie liebte besonders dort die Idee vom alten Stil der 30er und 40er Jahre, den sie ja lebt. Wir haben sie immer mit Respekt und Liebe aufgenommen, so wie wir das im übrigen für alle unsere Models tun.

Damals war sie ja noch eher unbekannt. Wie war sie als Aktmodell? Divenhaft? Schüchtern? Schwierig? -- Dita war von Anfang an komplett, was man auf den Fotos unschwer erkennen kann. Sie hatte ein festes Konzept von sich und hat das immer gelebt. Ich habe als Fotograf viel von ihr gelernt, wie sie gemodelt hat, und auch bei der Besprechung der Bilder hinterher. Sie war und ist weder schüchtern noch divenhaft, sondern einfach professionell, immer konzentriert, und kein bisschen zickig (das zeichnet übrigens Profis aus!).

Wie verlief eine typische Session? -- Ein Shooting mit Dita unterscheidet sich nicht von anderen Shootings die ich mache – und ich habe über 300 Frauen fotografiert, insgesamt gut 300.000 Fotos, seit 15 Jahren. Zunächst Makeup und Hairstyling; das dauert gut und gerne zwei Stunden. Dann nimmt das Anlegen der verschiedenen Fetischoutfits sehr viel Zeit in Anspruch, während die eigentlichen Fotos dann in relativ kurzer Zeit entstehen. Ich bin kein Freund von exzessiven Nachtsitzungen; bei mir beginnt der Shootingtag um 10 Uhr und ist spätestens um 18 Uhr beendet – nach gut 1.000 Studioblitzauslösungen sind die Augen müde, und die Models meist auch…

Als Dita von Teese in ihr Studio kam, hieß sie damals noch Heather Renée Sweet? -- So heißt sie heute noch, im Pass jedenfalls. Dita von Teese ist ihr Künstlername.

Konnte man auch einfach mal zu ihr sagen:  Komm schon Heather, leg jetzt mal den Plastik-Fummel weg und lass uns in der Eckkneipe zusammen ein Pils trinken gehen? -- Selbstverständlich, und das haben wir auch immer getan, oder haben auch zuhause selbst gekocht. Dita ist privat ein vollkommen natürlicher und angenehmer Mensch.

Wie bricht man vor einem Foto-Shooting mit Dita das Eis? Erzählt man ihr Witze, spielt man als Fotograf guter Cop böser Cop? -- Da gab es kein Eis; wir beide wollten Fotos machen, waren beide heiß darauf, etwas Gutes zustande zu bringen. Da war von Anfang an eine große Motivation, sonst hätte sie es gar nicht gemacht, und ich auch nicht. Das Interesse und die Liebe zum Fetisch hat uns zusammengebracht.

Kann man mit Dita viel Lachen? -- Sie reißt sicher keine Witze, hat eher einen feinen Humor, aber wir haben oft viel spaß bei unseren Shootings, manchmal auch ausgelassen. Aber überwiegend ist es doch konzentrierte Arbeit.

Was war das lustigste Erlebnis mit ihr? -- Wie man’s nimmt: Sie kam einmal verfrüht mit dem Taxi, traf uns nicht an, und wanderte in die Solinger City ab, wo meine Frau sie nach hektischer Suche aufspürte. Nicht auszudenken, wenn Dita von Teese damals in Solingen verloren gegangen wäre…

Fühlen Sie sich als ein Agent ihrer Inszenierungen? -- Die Inszenierungen kamen immer von mir, wenn sie auch jederzeit ihrer Figur und Konzeption treu geblieben ist. Zum Beispiel habe ich sie als strenge Domina dargestellt, oder auch mal mit einer Gasmaske, wovon sie zunächst nicht so begeistert war, aber die Wirkung der Bilder hat sie dann überzeugt. Das Dominamotiv wurde dann eines der bekanntesten Bilder (u.a. als Cover des Buches „Dita-Fetish Goddess“).

Auf vielen ihrer Bilder wirkt von Teese noch künstlicher und puppenhafter als bei ihren öffentlichen Auftritten.  Muss man als guter Fotograf nicht gerade einen Blick hinter die Masken einer Person werfen um intensive und starke Bilder zu erzeugen? -- Jeder macht sein Fotos; Masken finde ich toll! Mich interessiert gerade das Artifizielle, ich bewundere das gestylte, divenhafte; Dita nennt es „larger than life“. Real people können gern andere fotofgrafieren.

Sie lassen von Teese in engen Latexkostümen und silberner Körperbemalung posieren. Worin liegt die Erotik solcher Einbalsamierungen? -- Das ist ein hässliches, abwertendes Wort, das dem Aufwand einer solchen Inszenierung nicht gerecht wird. Ein schöner Mensch wird durch solche Zugaben überhöht, noch wirkungsvoller. Latex formt den Körper, unterstreicht die Attribute. Das ist erotische Haute Couture!

Eine ergraute Dita von Teese, die in ihrer Landhausküchenstube Lebkuchen für ihre Enkel backt. Gibt es für Dita von Teese, die alterslose und makellose Porzellanpuppe, eine Möglichkeit in Würde zu altern? -- Ich finde es großartig, wenn alte Leute sich schön und stilsicher kleiden, auch gerne mal bunt und auffällig. Das ist alles andere als würdelos. Nichts ist öder als die „Generation Beige“.

Welchen Weltstar würden Sie gerne mal in ein Latexkostüm stecken und erotisch fotografieren? -- Jeden, der Lust hat.

Haben Sie heute noch Kontakt mit von Teese? -- Sporadisch; sie wird gut abgeschottet und muß ihre Emailadressen laufend ändern.

Was sagt Sie eigentlich über Ihre Bilder? -- Fragen Sie sie selbst!

Sie haben damals über 4000 Fotos gemacht. Angenommen, sie hätten heute nochmal die Möglichkeit, ein einziges weiteres Bild mit von Teese zu machen. Wie würde das aussehen? -- Ein Portrait, ganz ohne Fetischzutaten.