PWC-CLUB

Die FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Fetisch, beantwortet von Peter W. Czernich.

Gibt es überhaupt einen großen Informationsbedarf zu Fetischthemen?

Informationsbedarf wird es sicherlich immer geben, da ständig neue Menschen heranwachsen und in Kontakt mit Fetisch & SM kommen. Von einer Übersättigung würde ich in keinem Fall sprechen — bestenfalls an oberflächlichen, sensationslüsternen 3-Minuten-Beiträgen im Boulevard-TV. An tiefergehenden, sensiblen und fundierten Darstellungen dieser besonderen und anspruchsvollen Formen der Erotik mangelt es nach wie vor. Artikel in großen Magazinen wie Stern und Spiegel stellen immer wieder die oft erschreckende Ignoranz und fehlende Sachkenntnis der Autoren unter Beweis. Da ist noch viel aufzuarbeiten …

Leiden Fetischisten unter ihren Neigungen?

Was heißt „leiden"? Ich denke, daß die Zahl der „Leidenden" mit Sicherheit beständig abnimmt, da es uns Szene-Publizisten offenbar zunehmend gelingt, den guten Leuten ihre Hemmungen und Skrupel auszureden. Zumindest kann ich das aus meiner Tätigkeit so erkennen. Die absolute Zahl von Fetisch- und SM-Anhängern nimmt dagegen weiterhin zu, denke ich — wenn auch langsamer, als es Trendpropheten proklamieren.

Ist Fetischismus eine Modeerscheinung?

„Modeerscheinung" trifft es nicht. Sicher ist, daß der Medienrummel einiges bewirkt hat. Hinzu kommen auch die verstärkten publizistischen Aktivitäten in der Szene selbst — die verkaufte MARQUIS-Auflage ist z.B. seit 1994 von 18.000 auf über 40.000 Hefte gestiegen. Davon abgesehen ist Fetisch/SM ohnehin keine Mode, d.h., man wird sich selten nur kurzfristig damit beschäftigen. Wer hier einmal Feuer gefangen hat, bleibt in der Regel lange Zeit — wenn nicht lebenslang — dabei. Eher ist es das neue Selbstbewußtsein, das die Leute freier mit ihren sexuellen Bedürfnissen umgehen und sie ausleben läßt. Von einem „Einbruch" in den öffentlichen Raum kann m.E. keine Rede sein — wer sich nicht dafür interessiert, wird auch nicht damit konfrontiert. Niemand wird schließlich gezwungen, Erotik- oder Boulevardformate einzuschalten. Niemand wird gezwungen, auf eine Fetischparty zu gehen, oder sich im Sexshop ein SM-Magazin zu kaufen.

Werden Fetischisten in ihren Neigungen durch Gesetze eingeschränkt?

Die juristische Situation ist alles andere als befriedigend. Die Paragraphen sind derart „interpretierbar", und die Rechtsprechung derart unterschiedlich, bis gar widersprüchlich, daß jeder in der Branche sich sozusagen auf dünnem Eis bewegt. Hinzu kommen die ewig gestrigen Moralapostel, die völlig an der Sache vorbei argumentieren, und meist erschreckend schlecht informiert sind. Hier besteht dementsprechend Aufholbedarf — aber welcher Politiker wird sich in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit mit derartig unpopulären Problemstellungen exponieren?

Alles in allem steht für mich fest, daß Fetisch/SM nach wie vor mit allerlei Tabus, Mißverständnissen und Fehlinterpretationen beladen ist. Wir Fetischisten sind weder krank, noch haben wir Beziehungsprobleme, noch ist unser Leben oberflächlich nur nach Erotik ausgerichtet. Wir sind im Gegenteil besonders kreative und fantasievolle Menschen, unser Sexualleben ist reicher als das der meisten „Normalos", und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sind oft dauerhafter und tiefgründiger. Auch führen wir alle neben unserem Fetischleben durchaus eine bürgerliche Existenz, und sind in der Regel gute Steuerzahler, Eltern und Staatsbürger. Es wäre an der Zeit, im Sinne einer allgemein überfälligen Deregulierung, auch den Bereich der Erotik selbstverantwortlichen Erwachsenen zu überlassen, die wissen, was sie wollen. Der Staat sollte sich auf Aufgaben konzentrieren, die nur er erledigen kann — in unseren Schlafzimmern sorgen wir gern selbst für Ordnung.